November 25, 2020

ENJOY YOUR PASSION

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AUFGEFALLEN: deutsches Herrentennis top, deutsches Damentennis flop

Standpunkt von Marc Raffel/Teremeer Betreiber

French-Open Sieger im Doppel 2019 und 2020 und Sieger in Meerbusch 2017: Andy Mies (l.) und Kevin Krawietz

Die letzten beiden Grand Slam Turniere haben es gnadenlos aufgezeigt: Das deutsche Damentennis befindet sich im freien Fall nach unten, das deutsche Herrentennis präsentiert sich in einem erfreulichen Aufwärtstrend. Und das liegt nicht nur an der Finalteilnahme von Alexander Zverev bei den US Open sondern vor allem auch an den erfrischenden Leistungen der übrigen deutschen Akteure. Zwar schwächelte Deutschlands Nr. 2, Jan-Lennard Struff. in den letzten Wochen ein wenig, seine Leistung über das Jahr waren jedoch hervorragend und katapultierten den Warsteiner an die Top 30 der ATP Weltrangliste. Hinter Dauerbrenner Philipp Kohlschreiber haben nun aber aussichtsreiche deutsche Profis auf sich aufmerksam gemacht. Daniel Altmaier (22 J.) aus dem niederrheinischen Kempen überraschte in Roland Garros mit Siegen gegen Feliciano Lopez (ESP), Jan-Lennard Struff (GER) und Matteo Berrettini (ITA),
Yannick Hanfmann (28 J.) konservierte seine Topform bei den Tannenhof Resort German Men´s Series und erreichte nach überragenden Auftritten das Finale der General Open in Kitzbühel. Auch beim ATP tour 250er Event auf Sardinien machte Yannick diese Woche von sich reden und bezwang u.a. Newcomer Salvatore Caruso (ITA) mit 6:0 6:4 und den gesetzten Senkrechtstarter Casper Ruud (NOR) mit 6:2 6:1. Und Oscar Otte (27 J.) gewann kürzlich den etablierten ATP Challenger Titel in Aix en Provence (FRA) und überzeugte diese Woche auch nach erfolgreicher Qualifikation und einem Erstrundensieg gegen Jan-Lennard Struff bei seinem Heimturnier in Köln, einem 250er ATP tour Event. Auch die deutschen Davis Cup Spieler Maximilian Marterer (25 J.) und Cedrik-Marcel Stebe (30 J.) zeigten zuletzt stark ansteigende Form. Und da ist ja auch noch Dominik Köpfer (26 J.), mittlerweile bereits unter den Top 70 der ATP Weltrangliste angekommen. Seine Karriere beeindruckt umso mehr, weil Dominik vor seiner Profikarriere bereits erfolgreich ein Studium auf einem US College in Tulane absolviert hat. Last not least wären da noch unsere zweifachen Doppel Roland Garros Champions Andreas Mies und Kevin Krawietz, die in diesem Jahr ihren Titel bei den French Open in Paris mit fantastischen Leistungen verteidigen konnten.

Das Deutsche Damentennis im freien Fall – und kein Nachwuchs in Sicht

30.06.2020, Tennis, German Ladies´ Series DTB 2020, Darmstadt
Zwischenrunde: Laura Siegemund (GER)
Foto: Herbert Krämer

Verkehrte Welt. Waren die deutschen Tennisdamen vor einigen Jahren noch in aller Munde, so
droht Ihnen aktuell der Fall in die sportliche Bedeutungslosigkeit. Keine deutsche Tennisdame rangiert mehr unter den Top 20 der Welt, lediglich drei Spielerinnen befinden sich noch unter den Top 100 der WTA Weltrangliste, Tendenz fallend. Dazu kommt, dass mit den Top 3 in Deutschland
Angelique Kerber, Julia Görges und Laura Siegemund alle über 30 Jahre alt sind. Die Leistungen der deutschen Tennisdamen auf den letzten Major Turnieren sind bis auf die Lichtblicke einer 32-jährigen Laura Siegmund bei den US Open und in Roland Garros nicht mehr der Rede wert. Bezeichnend dabei sind die teils verstörenden Auftritte einer Andrea Petkovic, die sich nun seit geraumer Zeit als Sportmoderatorin versucht und gleichzeitig versucht professionell Tennis zu spielen. Ohnehin läßt sich zur Zeit eine gefährliche Kumpanei mit Interessenkonflikten in der Trainer-, Funktionärs- und Journalisten Tenniswelt beobachten. Es fehlt ein positiv kritisches, überparteiliches und damit konstruktives Verhältnis untereinander. Es herrschen Klüngel und Kumpanei, wer nicht im Zirkel ist, hat es schwer sich durchzusetzen. So kommen die Nachwuchsspielerinnen mittlerweile aus anderen Nationen, denn auch die nachfolgende deutsche Damenriege ist schon lange Jahre im Geschäft, eine positive Leistungsentwicklung in der nächsten Zeit ist mehr als fraglich. Der Juniorinnen-Bereich in Deutschland gleicht mittlerweile eher einem Tennis Entwicklungsland. Was ist da schief gelaufen? Wo sind Versäumnisse entstanden? Die üblichen Reflexe, dass im digitalen Zeitalter andere Beschäftigungen für Deutschlands Teenagerinnen attraktiver sind, kann ich nicht gelten lassen oder gibt es Smartphones und Instagram nur in Deutschland? Auch der beliebte Verweis auf den Ehrgeiz und die extreme Trainingsdisziplin anderer Nationen kann nicht überzeugen, zeigen doch Deutschlands Tennisherren zur Zeit wie es geht.